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Ratgeber

Die Khutba verstehen, auch ohne Arabisch

Jeden Freitag hören in deutschen Moscheen viele Menschen der Khutba zu, ohne viel zu verstehen. Das lässt sich ändern. Hier sind Wege, die helfen, und was du dabei beachten solltest.

Stand: 19. Oktober 2026 · 5 Minuten Lesezeit

Warum so viele die Khutba nicht verstehen

In deutschen Moscheen beten Muslime aus vielen Ländern zusammen. Viele sprechen zu Hause Türkisch, Bosnisch, Albanisch, Kurdisch, Persisch oder Urdu, viele Jüngere vor allem Deutsch. Die Khutba aber wird in vielen Moscheen ganz oder teilweise auf Arabisch gehalten, in der Sprache des Korans und der Sunna.

Auch wer Arabisch spricht, versteht nicht immer alles. Die Khutba ist in Hocharabisch, nicht im Dialekt. Dazu kommen Koranverse, Hadithe und Fachbegriffe, die im Alltag selten vorkommen. Und in großen Räumen hallt der Ton, sodass einzelne Wörter verloren gehen.

Ob die Khutba auch in einer anderen Sprache gehalten werden darf, darüber haben die Gelehrten unterschiedliche Ansichten. Manche Moscheen halten sie auf Arabisch und fassen sie danach auf Deutsch zusammen, andere sprechen beide Sprachen.

Warum es sich lohnt, sie zu verstehen

Die Khutba ist mehr als ein Pflichtteil vor dem Gebet. Im Koran ruft Allah die Gläubigen am Freitag „zum Gedenken Allahs“. Damit sind nach den Gelehrten die Khutba und das Gebet gemeint:

يا أيها الذين آمنوا إذا نودي للصلاة من يوم الجمعة فاسعوا إلى ذكر الله وذروا البيع ذلكم خير لكم إن كنتم تعلمون

„O ihr, die ihr glaubt, wenn am Freitag zum Gebet gerufen wird, dann eilt zum Gedenken Allahs und lasst den Handel. Das ist besser für euch, wenn ihr es nur wüsstet.“

Koran 62:9

Jede Woche hörst du eine Ermahnung: zu Glauben und Gebet, zu Familie, Geduld oder Ehrlichkeit. Wer sie versteht, kann sie mit nach Hause nehmen. Der Prophet ﷺ sagte:

من يرد الله به خيرا يفقهه في الدين

„Wem Allah Gutes will, dem schenkt Er Verständnis in der Religion.“

al-Bukhari 71, Muslim 1037

Fünf Wege, die Khutba besser zu verstehen

1. Frag nach einer Zusammenfassung

Viele Moscheen fassen die Khutba nach dem Gebet kurz auf Deutsch zusammen oder teilen sie auf ihrer Website und in Nachrichtengruppen. Frag in deiner Moschee nach. Gibt es das noch nicht, schlag es dem Vorstand freundlich vor.

2. Lerne den Grundwortschatz

Manche Wörter hörst du in fast jeder Khutba: Taqwa, Sabr, Akhira, Dunya, Jannah. Kennst du zwanzig davon, erkennst du schnell, worum es geht. Die wichtigsten erklärt unser kleines Glossar. Auch die festen Teile wiederholen sich jede Woche, etwa der Lobpreis am Anfang. Mehr dazu in So ist eine Khutba aufgebaut.

3. Lies übersetzte Khutba-Texte

Manche Moscheen und Religionsbehörden veröffentlichen den Text der Khutba vorher oder nachher, oft auch übersetzt. Lies ihn neben dem arabischen Text. Beim nächsten Mal erkennst du ganze Sätze wieder.

4. Lies live mit

Apps zur Live-Übersetzung zeigen dir den arabischen Text während der Khutba und übersetzen ihn Zeile für Zeile. Das ist eine Hilfe, kein Ersatz für Wissen: Maschinelle Übersetzungen können Fehler haben. Achte darauf, dass Koranverse in einer anerkannten Übersetzung erscheinen. Übrigens wird auch die Freitagskhutba in der Masjid al-Haram in Mekka heute in viele Sprachen übersetzt, damit Besucher ohne Arabisch sie verstehen.

5. Frag nach

Hast du etwas nicht verstanden, frag nach dem Gebet den Imam oder jemanden mit Wissen. Die meisten freuen sich über die Frage.

Der richtige Platz

Setz dich möglichst nah an den Imam. Das ist Sunna, und du hörst ihn besser. Der Prophet ﷺ sagte:

من غسل يوم الجمعة واغتسل ثم بكر وابتكر ومشى ولم يركب ودنا من الإمام فاستمع ولم يلغ كان له بكل خطوة عمل سنة أجر صيامها وقيامها

„Wer sich am Freitag gründlich wäscht, früh aufbricht und den Anfang erreicht, zu Fuß geht und nicht reitet, sich nahe an den Imam setzt, zuhört und nichts Unnützes tut, dem wird für jeden Schritt der Lohn eines Jahres angerechnet, mit seinem Fasten und seinem Nachtgebet.“

Abu Dawud 345, von al-Albani als sahih eingestuft

In großen Moscheen kommt es außerdem auf die Lautsprecher an. Setz dich so, dass du einen Lautsprecher gut hörst, und nicht ganz hinten am Eingang, wo Türen gehen und Leute flüstern. Liest du mit einer App mit, setz dich höchstens etwa zwei Meter von einem Lautsprecher entfernt, mit der Unterseite des Handys zum Lautsprecher.

Komm früh, dann findest du einen guten Platz, ohne über andere zu steigen. Warum beides wichtig ist, steht in Das Freitagsgebet: Ablauf und Etikette.

Respekt vor der Khutba

Während der Imam spricht, sind alle still. Selbst jemanden zur Ruhe zu mahnen, ist schon zu viel:

إذا قلت لصاحبك يوم الجمعة أنصت والإمام يخطب فقد لغوت

„Wenn du am Freitag, während der Imam die Khutba hält, zu deinem Nachbarn sagst: ‚Sei still!‘, dann hast du selbst Unnützes geredet.“

al-Bukhari 934, Muslim 851

Auch mit den Händen soll man nicht spielen. In einem anderen Hadith heißt es:

ومن مس الحصى فقد لغا

„Und wer die Kieselsteine berührt, hat Unnützes getan.“

Muslim 857

Wenn du auf dem Handy mitliest, dann so, dass es niemanden stört und dich nicht ablenkt:

Merkst du, dass dich das Handy eher ablenkt, lies lieber vorher oder nachher. Und wenn du unsicher bist, ob das Mitlesen für dich passt, frag einen Gelehrten.

Häufige Fragen

Muss ich jedes Wort verstehen?

Nein. Verlangt ist, dass du still zuhörst und dich nicht ablenken lässt. Je mehr du verstehst, desto mehr nimmst du mit. Fang mit den Wörtern an, die oft vorkommen.

Darf ich während der Khutba eine Übersetzung lesen?

Eine Übersetzung soll dir helfen zuzuhören, nicht dich ablenken. Halte dich an die Punkte oben: lautlos, nichts tippen, nichts anderes öffnen. Für ein Urteil in deinem Fall frag einen Gelehrten.

Wo finde ich die Khutba auf Deutsch?

Frag in deiner Moschee nach einer Zusammenfassung oder nach dem Text. Manche Moscheen und Religionsbehörden veröffentlichen ihre Khutbas auch übersetzt.

Lohnt es sich, Arabisch zu lernen?

Ja. Schon ein Grundwortschatz und die festen Formeln der Khutba helfen viel. Und Arabisch öffnet dir den Koran und die Sunna.

Koranverse und Hadithe sind hier sinngemäß ins Deutsche übertragen.

Für Fragen zu Urteilen wende dich an einen Gelehrten.