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Ratgeber

Was sagt der Imam? So ist eine Khutba aufgebaut

Die Freitagskhutba folgt einem festen Muster, das auf den Propheten ﷺ zurückgeht. Wer es kennt, erkennt die Teile wieder und merkt, wo die eigentliche Botschaft beginnt, auch ohne jedes Wort zu verstehen.

Stand: 19. Oktober 2026 · 5 Minuten Lesezeit

Bevor die Khutba beginnt

Der Imam steigt auf die Kanzel (Minbar) und setzt sich. Dann ertönt der Gebetsruf. So war es zur Zeit des Propheten ﷺ:

كان النداء يوم الجمعة أوله إذا جلس الإمام على المنبر على عهد النبي صلى الله عليه وسلم وأبي بكر وعمر

„Der erste Ruf am Freitag erfolgte, wenn sich der Imam auf die Kanzel setzte, zur Zeit des Propheten ﷺ, Abu Bakrs und Umars.“

al-Bukhari 912

Zur Zeit Uthmans, als die Gemeinde größer wurde, kam ein weiterer Ruf hinzu, wie derselbe Bericht erzählt. Nach dem Gebetsruf steht der Imam auf und beginnt.

1. Der Lobpreis

Fast jede Khutba beginnt mit denselben Worten, der Khutbat al-Haja, der „Ansprache für ein Anliegen“. Der Prophet ﷺ hat sie seine Gefährten gelehrt. Viele Imame sprechen sie so:

إن الحمد لله نحمده ونستعينه ونستغفره ونعوذ بالله من شرور أنفسنا ومن سيئات أعمالنا من يهده الله فلا مضل له ومن يضلل فلا هادي له

„Alles Lob gebührt Allah. Wir loben Ihn, bitten Ihn um Hilfe und um Vergebung, und wir suchen Zuflucht bei Allah vor dem Übel unserer Seelen und vor unseren schlechten Taten. Wen Allah rechtleitet, den kann niemand irreführen, und wen Er irregehen lässt, den kann niemand rechtleiten.“

Ibn Majah 1892, von al-Albani als sahih eingestuft; ähnlich an-Nasa'i 1404 und Abu Dawud 2118, kürzer bei Muslim 868

2. Das Glaubensbekenntnis

Gleich danach bezeugt der Imam die Einzigkeit Allahs und die Gesandtschaft Muhammads ﷺ, mit Worten aus demselben Hadith:

وأشهد أن لا إله إلا الله وحده لا شريك له وأشهد أن محمدا عبده ورسوله

„Und ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt, der zu Recht angebetet wird, außer Allah allein, ohne Partner, und ich bezeuge, dass Muhammad Sein Diener und Gesandter ist.“

Ibn Majah 1892; ähnlich Muslim 868

3. Der Segen auf den Propheten ﷺ

Dann spricht der Imam meist den Segen über den Propheten ﷺ. Allah sagt:

إن الله وملائكته يصلون على النبي يا أيها الذين آمنوا صلوا عليه وسلموا تسليما

„Allah und Seine Engel sprechen den Segen über den Propheten. O ihr, die ihr glaubt, sprecht den Segen über ihn und grüßt ihn mit gebührendem Gruß.“

Koran 33:56

Manche Gelehrte zählen den Segen über den Propheten ﷺ zu den festen Bestandteilen der Khutba.

4. „Ammā ba'd“: und nun

Mit „ammā ba'd“, wörtlich „was danach kommt“, beendet der Imam die Einleitung. So sprach auch der Prophet ﷺ in seinen Khutbas:

كان رسول الله صلى الله عليه وسلم إذا خطب احمرت عيناه وعلا صوته واشتد غضبه حتى كأنه منذر جيش … ويقول أما بعد فإن خير الحديث كتاب الله وخير الهدى هدى محمد وشر الأمور محدثاتها وكل بدعة ضلالة

„Wenn der Gesandte Allahs ﷺ eine Khutba hielt, röteten sich seine Augen, seine Stimme wurde laut und sein Zorn heftig, als warne er vor einem Heer … Und er sagte: Und nun: Die beste Rede ist das Buch Allahs, die beste Leitung ist die Leitung Muhammads, die schlimmsten Dinge sind die neu erfundenen, und jede Neuerung ist ein Irrweg.“

Muslim 867

Viele Imame sprechen diesen Satz bis heute nach „ammā ba'd“. Und der Bericht zeigt, wie ernst die Khutba gemeint ist: als Ermahnung, nicht als Vortrag.

5. Der Aufruf zur Taqwa

Danach ermahnt der Imam zur Taqwa, zum Gottesbewusstsein. In der Khutbat al-Haja folgen dafür drei Verse (3:102, 4:1 und 33:70–71). Der letzte lautet:

يا أيها الذين آمنوا اتقوا الله وقولوا قولا سديدا يصلح لكم أعمالكم ويغفر لكم ذنوبكم ومن يطع الله ورسوله فقد فاز فوزا عظيما

„O ihr, die ihr glaubt, fürchtet Allah und sagt, was recht ist. Dann lässt Er eure Taten gelingen und vergibt euch eure Sünden. Und wer Allah und Seinem Gesandten gehorcht, der hat einen gewaltigen Erfolg errungen.“

Koran 33:70–71

Oft hörst du an dieser Stelle auch diesen Satz, mit dem der Imam sich selbst einschließt: „Ich lege euch und mir selbst die Taqwa Allahs ans Herz.“

أوصيكم ونفسي بتقوى الله

6. Der Hauptteil: Koran und Hadith

Jetzt kommt das eigentliche Thema: eine Pflicht, ein Charakterzug, ein Ereignis aus dem Leben des Propheten ﷺ oder ein Fehler, vor dem der Imam warnt. Er stützt es auf Koranverse und Hadithe, wie es der Prophet ﷺ tat:

كانت للنبي صلى الله عليه وسلم خطبتان يجلس بينهما يقرأ القرآن ويذكر الناس

„Der Prophet ﷺ hielt zwei Khutbas und saß zwischen ihnen. Er trug darin Koran vor und ermahnte die Menschen.“

Muslim 862

ما أخذت ق والقرآن المجيد إلا عن لسان رسول الله صلى الله عليه وسلم يقرؤها كل يوم جمعة على المنبر إذا خطب الناس

„Ich habe (die Sure) ‚Qaf. Bei dem ruhmvollen Koran‘ nur aus dem Mund des Gesandten Allahs ﷺ gelernt. Er trug sie jeden Freitag auf der Kanzel vor, wenn er zu den Menschen sprach.“

Muslim 873

Ein Tipp zum Zuhören: Nach „qāla llāhu taʿālā“ (Allah, der Erhabene, sagt) folgt ein Koranvers, nach „qāla rasūlu llāh“ (der Gesandte Allahs sagte) ein Hadith.

قال الله تعالى · قال رسول الله صلى الله عليه وسلم

7. Die kurze Pause und die zweite Khutba

كان النبي صلى الله عليه وسلم يخطب قائما ثم يقعد ثم يقوم كما تفعلون الآن

„Der Prophet ﷺ hielt die Khutba im Stehen, dann setzte er sich, dann stand er wieder auf, so wie ihr es heute macht.“

al-Bukhari 920; ähnlich al-Bukhari 928

Die Pause ist kurz. Viele nutzen sie für ein stilles Bittgebet. Die zweite Khutba ist meist kürzer: wieder Lobpreis, Glaubensbekenntnis und Segen über den Propheten ﷺ, eine kurze Ermahnung und dann das Bittgebet.

8. Das Bittgebet am Schluss

Am Ende bittet der Imam meist für die Muslime: um Vergebung, Rechtleitung und Hilfe. Viele Gelehrte halten das für empfohlen. Nach Ansicht vieler Gelehrter hebt der Imam dabei nicht beide Hände, sondern deutet mit dem Zeigefinger. Als ein Statthalter auf der Kanzel beide Hände hob, sagte der Prophetengefährte Umara ibn Ru'ayba:

لقد رأيت رسول الله صلى الله عليه وسلم ما يزيد على أن يقول بيده هكذا وأشار بإصبعه المسبحة

„Ich habe gesehen, dass der Gesandte Allahs ﷺ mit seiner Hand nicht mehr tat als so“, und er deutete mit dem Zeigefinger.

Muslim 874

Eine Ausnahme ist das Bittgebet um Regen:

قام أعرابي فقال يا رسول الله هلك المال وجاع العيال فادع الله لنا فرفع يديه

„Ein Beduine stand auf und sagte: ‚O Gesandter Allahs, das Vieh geht zugrunde und die Familien hungern, so bitte Allah für uns.‘ Da hob er seine Hände.“

al-Bukhari 933, während der Freitagskhutba

Danach steigt der Imam herab, die Iqama wird gerufen, und es folgt das Gebet mit zwei Rak'as:

كان رسول الله صلى الله عليه وسلم يقرأ في العيدين وفي الجمعة بسبح اسم ربك الأعلى وهل أتاك حديث الغاشية

„Der Gesandte Allahs ﷺ rezitierte in den beiden Festgebeten und im Freitagsgebet die Suren al-A'la und al-Ghashiya.“

Muslim 878

Kurz, wie es die Sunna lehrt

إن طول صلاة الرجل وقصر خطبته مئنة من فقهه فأطيلوا الصلاة واقصروا الخطبة

„Ein langes Gebet und eine kurze Khutba sind ein Zeichen, dass ein Mann die Religion versteht. So macht das Gebet lang und die Khutba kurz.“

Muslim 869

فكانت صلاته قصدا وخطبته قصدا

„Sein Gebet war maßvoll, und seine Khutba war maßvoll.“

Muslim 866

Eine gute Khutba ist also nicht lang, sondern klar: ein Thema, belegt mit Koran und Sunna. Wer den Aufbau kennt, achtet besonders auf den Hauptteil zwischen „ammā ba'd“ und der Pause.

Häufige Fragen

Warum setzt sich der Imam zwischen den beiden Khutbas?

Weil es der Prophet ﷺ so tat (al-Bukhari 920, siehe oben). Die Pause ist kurz und trennt die erste von der zweiten Khutba.

Wie lang sollte eine Khutba sein?

Eine feste Minutenzahl gibt es nicht. Nach der Sunna ist sie kurz und maßvoll, das Gebet dagegen länger (Muslim 869, Muslim 866).

Warum ist die Khutba oft auf Arabisch?

Arabisch ist die Sprache des Korans und der Sunna. Ob die Khutba auch in einer anderen Sprache gehalten werden darf, darüber haben die Gelehrten unterschiedliche Ansichten. Wie du sie trotzdem verstehst, liest du in Die Khutba verstehen, auch ohne Arabisch.

Woran erkenne ich, dass gleich ein Koranvers kommt?

Meist an „qāla llāhu taʿālā“ (Allah, der Erhabene, sagt). Vor einem Hadith hörst du „qāla rasūlu llāh“ (der Gesandte Allahs sagte).

Koranverse und Hadithe sind hier sinngemäß ins Deutsche übertragen.

Für Fragen zu Urteilen wende dich an einen Gelehrten.